Abstrakte, bauhausinspirierte Illustration einer Waage, die Form und Funktion im Design im Gleichgewicht darstellt. Reduziertes, geometrisches Editorial-Motiv zum Gestaltungsprinzip „Form follows function“.
Design

February 4, 2026

Form follows function – warum gutes Design immer einen Zweck hat

„Form follows function“ gehört zu den meistzitierten – und gleichzeitig missverstandenen – Prinzipien im Design. Gemeint ist nicht, dass Gestaltung emotionslos oder streng sein muss. Sondern dass die äußere Form eines Objekts, einer Website oder eines Layouts aus seiner Funktion heraus entstehen sollte. Erst verstehen, wofür etwas da ist – dann gestalten, wie es aussieht. Der Leitsatz bildet bis heute die Grundlage für gutes Produkt-, Grafik- und Webdesign. Und er erklärt, warum viele zeitlose Entwürfe auch Jahrzehnte später noch funktionieren.

Was bedeutet „Form follows function“ genau?

Form follows function beschreibt ein Gestaltungsprinzip, nach dem die äußere Form eines Objekts, einer Website oder eines Layouts direkt aus seiner Funktion entsteht. Gestaltung wird dabei nicht als dekorative Hülle verstanden, sondern als Ergebnis von Nutzung, Inhalt, Kontext und Zweck.

Das Prinzip bedeutet nicht, dass Design nüchtern oder emotionslos sein muss. Es besagt vielmehr, dass Ästhetik dann überzeugend ist, wenn sie aus funktionalen Anforderungen heraus entwickelt wird – nicht umgekehrt.

Kurz gesagt:

Die Funktion bestimmt die Form. Die Wirkung entsteht als Konsequenz.

Meine Kurzmeinung

„Form follows function“ ist kein Design-Dogma, sondern ein Denkwerkzeug. Wer es ernst nimmt, gestaltet klarer, verständlicher und langlebiger. Wer es ignoriert, produziert oft schöne Oberflächen ohne Substanz. Gerade im Webdesign entscheidet dieses Prinzip darüber, ob eine Website nur gut aussieht – oder tatsächlich funktioniert.

Woher kommt der Begriff?

Der Satz geht auf den amerikanischen Architekten Louis Sullivan zurück. Er formulierte ihn Ende des 19. Jahrhunderts im Kontext moderner Architektur. Seine Überzeugung: Gebäude sollen ihre Nutzung widerspiegeln – nicht historische Formen kopieren oder rein dekorativ sein.

Diese Idee fiel auf fruchtbaren Boden und wurde im 20. Jahrhundert vor allem von der modernen Architektur und Gestaltung aufgegriffen und weiterentwickelt.

Form follows function und das Bauhaus

Am bekanntesten wurde das Prinzip durch das Bauhaus. Die Schule verband Kunst, Handwerk und Industrie – mit dem Ziel, Gestaltung funktional, sozial und reproduzierbar zu machen.

Typisch für das Bauhaus:

  • Reduktion auf klare Formen
  • Verzicht auf überflüssige Ornamente
  • Gestaltung aus Material, Zweck und Nutzung heraus

Design sollte verständlich sein. Möbel sollten bequem, Gebäude logisch, Typografie lesbar sein. Schönheit entstand als Ergebnis von Klarheit – nicht als Selbstzweck.

(An dieser Stelle kannst du intern auf deinen bestehenden Bauhaus-Beitrag verlinken.)

Relevanz des Bauhauses im Design heute

Auch wenn sich Technologien geändert haben: Die Denkweise ist hochaktuell.
Im digitalen Raum zeigt sich „Form follows function“ besonders deutlich:

  • Websites, die Nutzer führen statt verwirren
  • Interfaces, die selbsterklärend funktionieren
  • Layouts, die Inhalte priorisieren statt sie zu verstecken

Gerade im Webdesign entscheidet Funktion über Ladezeiten, Barrierefreiheit, Conversion und Orientierung. Das Bauhaus liefert dafür kein Stilrezept, sondern ein Haltung: Erst das Problem verstehen, dann gestalten.

Für wen ist dieses Prinzip besonders relevant?

  • Webdesigner:innen und UX-Designer:innen
  • Grafikdesigner:innen mit Fokus auf Editorial & Markenauftritte
  • Entwickler:innen, die Gestaltung nicht vom Inhalt trennen wollen
  • Unternehmen, die langfristig funktionierende Marken aufbauen möchten

Kurz: für alle, die nicht nur schöne Oberflächen, sondern sinnvolle Lösungen gestalten wollen.

Was du daraus lernen kannst

  • Gestaltung beginnt mit Analyse, nicht mit Farben
  • Gute Form entsteht aus Nutzung, Inhalt und Kontext
  • Reduktion ist kein Stil, sondern Konsequenz
  • Zeitloses Design ist fast immer funktional gedacht

Praxis-Transfer (für Webdesign & Editorial Design)

Im Alltag heißt das:

  • Inhalte strukturieren, bevor Layouts entstehen
  • Typografie nach Lesbarkeit auswählen, nicht nach Trend
  • Gestaltungselemente nur einsetzen, wenn sie etwas erklären oder unterstützen
  • Jede Designentscheidung begründen können

Wenn Form und Funktion zusammenarbeiten, wirkt Design selbstverständlich. Und genau das ist meist das beste Kompliment.

Form follows function erinnert daran, dass gutes Design immer eine Entscheidungskette ist – keine Stilfrage.


Wer Gestaltung aus Funktion, Inhalt und Nutzung heraus denkt, schafft Klarheit, Orientierung und Vertrauen. Gerade in digitalen Produkten zeigt sich, wie schnell reines Look & Feel an Grenzen stößt, wenn Struktur, Logik und Verständlichkeit fehlen.

Zeitloses Design entsteht nicht durch Trends, sondern durch Haltung. Und genau deshalb ist „Form follows function“ kein historisches Zitat, sondern ein hochaktueller Maßstab für Gestaltung, die wirkt – weil sie funktioniert.

Entdecke weitere Beiträge

Was Webdesigner vom Bauhaus lernen können. Über Funktion, Reduktion, Raster und warum diese Prinzipien im Web heute wichtiger sind denn je.
Design
Bauhaus Design im Webdesign, warum es heute relevanter ist denn je
Design
Design studieren in Leipzig – Grafikdesign & Kommunikationsdesign im Überblick
Die wichtigsten Gestaltungsgesetze im Grafikdesign einfach erklärt. Erfahre, wie Nähe, Ähnlichkeit, Whitespace und Co. deine Layouts klarer und wirkungsvoller machen.
Design
Gestaltungsgesetze im Grafikdesign: Die wichtigsten Prinzipien für klare und starke Layouts
Design
Was bedeutet „Form follows function“ wirklich? Herkunft, Bauhaus-Einfluss und warum funktionales Design im Web heute wichtiger ist als reines Look & Feel.
Form follows function – warum gutes Design immer einen Zweck hat
Design
Was Webdesigner vom Bauhaus lernen können. Über Funktion, Reduktion, Raster und warum diese Prinzipien im Web heute wichtiger sind denn je.
Bauhaus Design im Webdesign, warum es heute relevanter ist denn je
Design
Design studieren in Leipzig – Grafikdesign & Kommunikationsdesign im Überblick
Design
Die wichtigsten Gestaltungsgesetze im Grafikdesign einfach erklärt. Erfahre, wie Nähe, Ähnlichkeit, Whitespace und Co. deine Layouts klarer und wirkungsvoller machen.
Gestaltungsgesetze im Grafikdesign: Die wichtigsten Prinzipien für klare und starke Layouts

Entdecke mehr
Arbeiten & Updates auf: