
Du möchtest ein Magazin, einen Jahresbericht oder eine Broschüre gestalten lassen – aber weißt nicht genau, was auf dich zukommt? Hier erfährst du, wie ein Editorial-Design-Projekt wirklich abläuft: von der ersten Idee bis zur fertigen Druckdatei.
Ein Editorial-Design-Projekt fühlt sich von außen oft undurchsichtig an. Texte, Layouts, Korrekturen, Druckdaten – wer ist wofür zuständig, und wann passiert was? Dieser Artikel macht den Prozess transparent. Du weißt danach genau, was dich erwartet, was du wann liefern musst, und wo die typischen Stolperstellen liegen.
Am Anfang steht das Gespräch. Ein gutes Briefing ist die Grundlage für alles, was danach kommt – und spart im späteren Prozess deutlich mehr Zeit als es kostet.
Was in dieser Phase geklärt wird:
Was du als Kunde mitbringen solltest: ein klares Bild vom Zweck der Publikation, Beispiele die dir gefallen (oder nicht gefallen), und einen realistischen Zeitplan. Je konkreter das Briefing, desto weniger Überraschungen später.
Was in dieser Phase entsteht: ein Konzeptvorschlag mit Formatdefinition, grober Struktur und erstem Gestaltungsansatz – die Grundlage für die Heftplanung.
Noch nicht sicher, ob du eine Agentur oder einen freien Designer beauftragen sollst? Das erklärt dieser Artikel: Editorial Design Agentur – Worauf es wirklich ankommt →
Die Heftplanung ist das Herzstück des gesamten Projekts – und der Schritt, den viele Kunden unterschätzen. Hier wird festgelegt, welches Thema wie viel Platz bekommt, in welcher Reihenfolge die Inhalte erscheinen, und wie sich Bild- und Textseiten abwechseln.
Das Ergebnis ist ein Seitenspiegel: eine tabellarische oder visuelle Übersicht aller Seiten mit ihrer geplanten Belegung. Klingt trocken, ist aber entscheidend – denn hier zeigt sich zum ersten Mal, ob der geplante Inhalt tatsächlich in das geplante Format passt.
Laut Heftplanung soll ein Beitrag vier Seiten füllen – der fertige Text reicht aber nur für zwei. Oder ein Thema läuft aus dem Ruder und braucht plötzlich sechs Seiten statt drei. Das ist keine Ausnahme, das ist der Normalfall. Ein erfahrener Designer hat hierfür Lösungen: flexible Layouts, Infografiken die Inhalte verdichten, oder ein Umstrukturieren des Hefts. Wichtig ist, dass du als Kunde frühzeitig informiert wirst – nicht erst wenn die Druckdatei fertig sein sollte.
Was du als Kunde in dieser Phase tun kannst: die Heftplanung sorgfältig prüfen, Prioritäten setzen (was ist unverzichtbar, was kann gekürzt werden), und Texte so früh wie möglich liefern – idealerweise bevor das Layout beginnt.
Jetzt wird es sichtbar. Der Designer setzt die Inhalte in ein Layout um: Texte werden gesetzt, Bilder platziert, Seiten gestaltet. Für viele Kunden ist das der aufregendste Moment im Prozess – endlich sieht man, wie die Publikation aussehen wird.
In der Praxis läuft diese Phase in zwei Schritten ab:
1. Musterseiten / Erster Entwurf
Zuerst entstehen einige Musterseiten – typischerweise Cover, Inhaltsverzeichnis, eine Textseite und eine Bildstrecke. Diese dienen als Grundlage für die Abstimmung: Stimmt die Bildsprache? Passt die Typografie? Ist der Gesamteindruck der gewünschte? Hier können noch grundsätzliche Änderungen vorgenommen werden, ohne dass der gesamte Satz betroffen ist.
2. Gesamtsatz
Sind die Musterseiten freigegeben, wird das komplette Heft gesetzt. Alle Inhalte werden eingesetzt, Bilder optimiert, Typografie feinabgestimmt. Das ist die aufwendigste Phase – und der Moment, in dem späte Textänderungen besonders teuer werden. Jede Textänderung nach dem Gesamtsatz bedeutet potenziell, dass Seiten neu umbrechen und der Seitenumfang sich verschiebt.
Was du als Kunde in dieser Phase tun kannst: Texte und Bilder vollständig und rechtzeitig liefern. Änderungen an Texten nach Beginn des Gesamtsatzes wenn möglich vermeiden – oder als das behandeln was sie sind: zusätzlicher Aufwand.
Nach dem ersten vollständigen Layout folgt die Korrekturphase. Du erhältst eine PDF-Ansicht des Layouts und kannst Anmerkungen einbringen – inhaltliche Korrekturen, Bildtausche, Anpassungen an Formulierungen oder Gestaltungselementen.
Eine Korrekturschleife funktioniert dann gut, wenn alle Anmerkungen gebündelt und klar formuliert geliefert werden. Nicht: täglich einzelne E-Mails mit Nachträgen. Sondern: ein kommentiertes PDF oder eine strukturierte Liste, die alle Punkte auf einmal enthält. Das klingt nach einem kleinen Detail – spart in der Praxis aber erheblich Zeit auf beiden Seiten.
Professionelle Designer legen vor Projektstart fest, wie viele Korrekturschleifen im Angebot enthalten sind – in der Regel zwei bis drei. Weitere Runden sind möglich, werden aber separat berechnet.
Das Cover verdient besondere Aufmerksamkeit. Es ist das erste was ein Leser sieht, und entsprechend viele Meinungen gibt es dazu. Plane für die Titelblatt-Abstimmung bewusst mehr Zeit ein als für andere Seiten – und beziehe alle relevanten Entscheider frühzeitig ein. Nichts kostet mehr Nerven als ein Cover das kurz vor Drucktermin noch einmal grundsätzlich in Frage gestellt wird.
Was du als Kunde in dieser Phase tun kannst: Korrekturen bündeln, Entscheidungen intern vorab klären, und die finale Freigabe von einer einzigen autorisierten Person erteilen lassen.
Wie lange dauert ein Editorial-Design-Projekt?
Das hängt stark vom Umfang und der Liefergeschwindigkeit der Redaktion ab. Eine 24-seitige Broschüre ist bei vollständigen Inhalten in 2–3 Wochen realisierbar. Ein Magazin mit 48 oder mehr Seiten benötigt 4–8 Wochen, abhängig von der Anzahl der Korrekturschleifen und der Verfügbarkeit aller Beteiligten. Der häufigste Grund für Verzögerungen: Texte und Bilder die später als geplant geliefert werden.
Was muss ich als Kunde für ein Editorial-Design-Projekt vorbereiten?
Wie viele Korrekturschleifen sind normal?
Nach der finalen Freigabe beginnt die Druckvorbereitung – der letzte Schritt vor dem Druck. Das Layout wird in druckfertige Daten umgewandelt: Farben werden in CMYK konvertiert, Schriften eingebettet, Bilder auf die notwendige Druckauflösung geprüft, Schnittmarken und Anschnitt hinzugefügt.
Was du als Kunde in dieser Phase wissen solltest: Druckdaten sind nicht dasselbe wie die Layout-PDF die du zur Korrektur erhalten hast. Druckdateien werden für eine spezifische Druckerei und ein spezifisches Verfahren (Offsetdruck, Digitaldruck) aufbereitet. Wer die Druckerei auswählt und beauftragt – du oder der Designer – sollte vorab geklärt sein.
Nach der Übergabe der Druckdaten ist das Projekt aus Design-Sicht abgeschlossen. Du erhältst die fertigen Dateien, auf Wunsch auch die offenen Layoutdateien für spätere Aktualisierungen.
Fünf Phasen, ein rotes Band: Briefing → Heftplanung → Layout → Korrekturen → Druck. Was diesen Prozess in der Praxis reibungslos macht, ist nicht Perfektion in jeder Phase – sondern klare Kommunikation, rechtzeitig gelieferte Inhalte, und ein Designer der auch dann lösungsorientiert arbeitet wenn die Planung nicht aufgeht.
Was Editorial Design als Disziplin ausmacht und welche Gestaltungsprinzipien dahinterstecken, erklärt dieser Artikel: Was gehört zum Editorial Design? →