
March 9, 2026
Ein CMS verwaltet Inhalte. Ein Headless CMS macht das – trennt dabei aber Inhalt und Darstellung vollständig voneinander. Das klingt technisch, hat aber einen klaren praktischen Vorteil: Du entscheidest selbst, wie und wo deine Inhalte erscheinen. Auf der Website, in einer App, im Newsletter – überall gleich, ohne doppelte Pflege.
Ein klassisches CMS wie WordPress liefert beides in einem: das Backend zur Inhaltspflege und das Frontend, also die Darstellung im Browser. Das ist praktisch – aber auch eine Einschränkung. Design, Technik und Inhalt sind eng miteinander verknüpft. Wer das eine ändern will, berührt oft ungewollt das andere.
Ein Headless CMS trennt diese Ebenen. Das "Head" – also die Darstellungsschicht – wird abgetrennt. Das CMS liefert nur noch Inhalte, über eine API. Das Frontend kann dann frei gewählt werden: Webflow, React, Next.js, eine App oder sogar ein digitales Schild im Laden. Der Inhalt bleibt an einem Ort, die Ausgabe ist flexibel.
Der Begriff kommt daher, dass dem System buchstäblich der Kopf – die Darstellungsschicht – fehlt. Was bleibt, ist ein reines Inhaltssystem.
Es gibt inzwischen eine Reihe ausgereifter Systeme, die sich in Philosophie, Preismodell und Zielgruppe unterscheiden. Hier ein Überblick über die relevantesten:
WordPress (mit REST API oder WPGraphQL)
WordPress ist kein natives Headless CMS, kann aber headless betrieben werden. Über die REST API oder WPGraphQL lassen sich Inhalte als Daten abrufen und in beliebigen Frontends ausgeben. Der Vorteil: viele kennen das Backend bereits. Der Nachteil: WordPress war nie für diesen Einsatz gebaut – die Architektur ist entsprechend komplizierter als bei nativen Lösungen.
Strapi
Strapi ist open source, selbst hostbar und komplett anpassbar. Du bestimmst die Datenstruktur selbst, das Admin-Interface ist übersichtlich und die API wird automatisch generiert. Ideal für Teams, die volle Kontrolle über ihre Infrastruktur wollen – und die Inhalte nicht in einer fremden Cloud speichern möchten. Kostenlos in der Community-Version, Hosting läuft auf eigenem Server.
Payload CMS
Payload ist eines der spannendsten Systeme der letzten Jahre – vollständig open source und dauerhaft kostenlos unter der MIT-Lizenz. Es ist direkt in Next.js integrierbar, was es besonders für moderne Web-Projekte attraktiv macht. Payload ist code-first: Die Inhaltsstruktur wird per TypeScript definiert, was maximale Flexibilität und Versionierbarkeit ermöglicht. Selbst hostbar auf jedem Node.js-Server oder serverless auf Vercel.
Contentful
Contentful ist eines der etabliertesten Cloud-basierten Headless CMS. Sehr ausgereift, gut dokumentiert, mit starkem Ökosystem. Besonders beliebt bei größeren Teams und Unternehmen. Der Einstieg ist kostenlos, bei höherem Volumen werden die Preise aber spürbar. Inhalte liegen in der Contentful-Cloud – wer das nicht will, muss zu einer anderen Lösung greifen.
Sanity
Sanity sticht durch sein ungewöhnlich flexibles Datenmodell und das sogenannte "Portable Text"-Format heraus. Das Studio – das Bearbeitungsinterface – ist eine React-App, die vollständig angepasst werden kann. Besonders gut geeignet für Projekte, bei denen Redakteure ein sehr individuelles Erlebnis brauchen. Ebenfalls Cloud-basiert mit grosszügigem Gratis-Tier.
Directus
Directus ist eine weitere open-source Alternative, die besonders dann interessant wird, wenn eine bestehende Datenbank als Grundlage dient. Directus legt sich wie eine Schicht über eine SQL-Datenbank und macht sie über eine API zugänglich – ohne die Datenstruktur zu verändern. Ebenfalls kostenlos und selbst hostbar.
Headless ist kein Allheilmittel. Es ist eine Entscheidung, die von Projektgröße, Team und Anforderungen abhängt.
Headless macht Sinn wenn:
Headless ist weniger geeignet wenn:
Für viele kleine Unternehmen und Selbstständige ist ein all-in-one System wie Webflow oder ein gut konfiguriertes WordPress völlig ausreichend. Der Headless-Ansatz entfaltet seinen Mehrwert vor allem in mittleren bis größeren Projekten.
Eine der grundlegenden Entscheidungen beim Headless-Ansatz ist: Wo liegen meine Daten?
Self-hosted (z.B. Strapi, Directus)
Du betreibst das CMS auf einem eigenen Server – etwa bei Hetzner, DigitalOcean oder einem deutschen Anbieter wie Netcup. Die Daten bleiben unter deiner Kontrolle, DSGVO-Konformität ist einfacher herzustellen, die laufenden Kosten sind gering. Dafür brauchst du technisches Know-how für Einrichtung und Wartung.
Cloud-basiert (z.B. Contentful, Sanity)
Kein eigener Server nötig, schneller Einstieg, professionelle Infrastruktur inklusive. Dafür liegen deine Inhalte beim Anbieter – was bei sensiblen Daten oder strikten DSGVO-Anforderungen zum Thema werden kann. Die Preismodelle skalieren mit dem Nutzungsvolumen.
Für die meisten kleinen bis mittleren Projekte ist ein selbst gehostetes Strapi auf einem günstigen VPS die pragmatischste Lösung: volle Kontrolle, überschaubare Kosten, kein Vendor-Lock-in.
Was ist der Unterschied zwischen einem klassischen CMS und einem Headless CMS?
Ein klassisches CMS wie WordPress liefert Backend und Frontend in einem Paket – Inhalt und Darstellung sind eng verknüpft. Ein Headless CMS liefert nur die Inhalte, über eine API. Das Frontend wird separat entwickelt und kann frei gewählt werden – ob Webflow, React oder eine App.
Welches Headless CMS eignet sich für Einsteiger?
Kann ich Webflow mit einem Headless CMS kombinieren?
Headless CMS ist kein Trend, sondern eine ausgereifte Architekturentscheidung. Wer seine Inhalte wirklich in der Hand behalten will – unabhängig von einem einzelnen Anbieter, flexibel in der Darstellung und sauber in der Struktur – kommt an diesem Ansatz nicht vorbei.
Ob Strapi, Contentful oder Sanity: Die Wahl hängt von Projektziel, Team und Budget ab. Was alle gemeinsam haben: Sie trennen Inhalt von Darstellung – und geben damit mehr Freiheit zurück.